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Schmerztherapie

Den höchsten Stellenwert (Priorität) in der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen hat die Schmerzbekämpfung. Es wird nicht selten der Fehler begangen, zu schwach wirkende Schmerzmittel zu verordnen oder eine zu geringe Menge (Dosierung) wirksamer Schmerzmittel einzusetzen.

Der Patient muss vom Arzt aufgeklärt werden, dass die Schmerzbeseitigung oberstes Ziel ist, um eine Verselbstständigung des Beschwerdebildes (d.h. Bildung eines Schmerzgedächtnisses) zu verhindern. Aus diesem Grund werden heute von Schmerztherapeuten bei starken bis stärksten Schmerzen opioidhaltige Substanzen verordnet.

Der Einsatz einer unzureichenden, somit wirkungslosen Schmerztherapie aus Ängstlichkeit vor den (möglichen) Nebenwirkungen der Schmerzmittel ist unbegründet, wenn auch der Patient sich über die Möglichkeiten des Einsatzes moderner Schmerzmittel und einer zuverlässigen Schmerztherapie kundig gemacht hat.

Beim ersten Auftreten eines Hexenschusses oder einer Ischialgie wird zunächst - wenn keine Lähmungen vorhanden sind - eine konservative Therapie durchgeführt. Erst, wenn diese Therapie nicht zum gewünschten Erfolg führt (innerhalb eines Zeitfensters von 6 - 12 Wochen) oder die Beschwerden sich verschlimmern, wird eine operative Behandlung bei entsprechendem Nachweis eines Bandscheibenvorfalls erwogen.

Grundlage der konservativen Therapie ist die körperliche Schonung, wobei nicht unbedingt strenge Bettruhe erforderlich ist. Eine feste Matratze und bestimmte Lagerungen, die eine Entlastung der Wirbelsäule bewirken (Stufenbett), können bereits wesentlich zur Beschwerdeminderung beitragen. Auch eine Streckbehandlung mit zuverlässig dosierbaren Extensionsgeräten kann die Bandscheiben entlasten.

Das Stufenschema der Schmerzmittel

Schmerzfreiheit, zumindest spürbare Schmerzlinderung, ist das vorrangige Ziel der medikamentösen Therapie. Nach dem Stufenschema der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) werden drei Gruppen (Stufen) von Schmerzmitteln (Analgetika) unterschieden: 

- nicht opioidhaltige (Stufe 1),
- schwach opioidhaltige (Stufe 2) und
- stark opioidhaltige Analgetika (Stufe 3)

Stufe 1
Zu dieser Gruppe zählen die nicht-steroidalen Antirheumatika oder Antiphologistika(z. B. Diclophenac; die neuen, magenschonenden Medikamente aus der Gruppe der Coxibe oder das Ibuprofen), aber auch die rein schmerzstillenden Mittel (z. B. das »klassische« Paracetamol oder Novalgin). Die Ursachen für die Schmerzen sind anfangs meist überreizte freie Nervenendigungen und Entzündungsreaktion um den Nerven mit Nervenschwellung. 

Stufe 2
Stellt sich innerhalb weniger Tage keine deutliche Schmerzlinderung ein, so müssen zusätzlich schwach opoidhaltige Analgetika gewählt werden (z. B. Tramadol oder Tilidin, Naloxon). Diese Medikamente können die Fahrtauglichkeit in der Eingewöhnungsph ase beeinträchtigen. Deshalb wird empfohlen, in den ersten 1-2 Wochen der Einnahme nicht Auto zu fahren.

Stufe 3
Bleibt auch diese Schmerzbehandlung ohne entscheidenden Erfolg, ist der kurzfristige Übergang auf die starken Opioide (z. B. Oxycodon) unter Verzicht auf Stufe 2 Medikamente zu empfehlen.

Lokale therapeutische Injektionen
Ebenso wie die »Quaddel«-Behandlung (Haut; Muskulatur; Muskel-Sehnen-Ansätze) mit örtlich wirkenden schmerzblockierenden Lösungen (Lokalanästhetika) hat auch die Injektionsbehandlung mit entzündungshemmenden und entquellenden Medikamenten, denen schmerzstillende oder schmerzhemmende Zusätze beigegeben sind, das Ziel, die Schmerzleitung der gereizten Nerven und Nervenwurzeln zu unterbrechen bzw. die Nerven abzuschwellen. Die gute Wirkungsweise erklärt ihren Einsatz zu Beginn der Behandlung in Abhängigkeit von der Schwere des Schmerzzustandes. Die Einspritzung (Injektion) erfolgt an den Ort der diagnostizierten Schmerzentstehung. Die häufigsten Einspritzungen (Infiltrationen) sind:

- in die Rückenmuskulatur (paravertebral),
- zwischen die Dornfortsätze (interspinös),
- in die Kreuz-Darmbein-Gelenke (ISG, iliosakral),
- in die Wirbelgelenke (Facetten).

In diesem Zusammenhang muss auch die vielfach geübte Reischauer-Blockade, d. h. Injektion in die Nähe des Spinalnerven erwähnt werden, die die Schmerzschwelle herabsetzen und den Nerven zur Abschwellung bringen und daher günstige Voraussetzungen für die nachfolgenden Behandlungen schaffen soll. Diese Injektion wird heutzutage zumeist unter Bildkontrolle (Bildwandler, CT oder MRT) als so genannte PRT (periradikuläre Therapie).

Weitere, auch zur Beseitigung postoperativer Schmerzzustände erprobte Behandlungsmethoden können zur Anwendung kommen, erfordern aber in ihrer Wahl besondere Erfahrung und Übung: Einspritzungen um die harte Rückenmarkshaut, hintere oder dorsale Periduralinfiltration (lang dauernd mithilfe eines liegenden Katheters vorzunehmen), kaudale Periduralinjektion (Sakralanästhesie), unter die harte Rückenmarkshaut (intrathekale Instillation) oder als Form der paraspinalen Infiltrationsbehandlung die Facettenblockaden, wobei in besonderer Weise die schmerzleitenden Fasern der reichlich vorhandenen Nervengeflechte in der Kapsel der kleinen Wirbelgelenke vorübergehend betäubt werden.

Zur Schmerzbekämpfung werden auch Akupunktur, die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und andere Verfahren angewandt. Ziel dieser Therapie ist die Behandlung des Symptoms Schmerz, nicht die Beseitigung eines eventuellen Bandscheibenvorfalls. Dies muß der Körper selbst tun.